Wenn alle Recht haben
- Sandro Dinser

- 27. Mai
- 2 Min. Lesezeit
Wenn alle Recht haben - aber alle falsch liegen
Alles sah im Vorfeld bestens aus:
Die Unternehmensführung hatte das Infrastrukturprojekt bewilligt und die Mittel freigegeben.
Die Planung konnte beginnen - doch aus heiterem Himmel entbrannte zwischen den Beteiligten ein Konflikt. Dieser liess sich nicht so einfach lösen, denn jede Seite brachte schlüssige Argumente.
Die Abteilung Technik forderte eine effiziente Lösung. Die für den Betrieb Verantwortlichen forderten die optimale Erreichbarkeit und Sicherheit des Standorts. Die Raumplanung achtete auf die öffentlichen Vorgaben zum Schutz von Siedlung und Landschaft und signalisierte mögliche Nutzungskonflikte. Die Umweltfachperson verwies auf Schutzinteressen. Und die Gemeinde fragte nach Akzeptanz und politischer Tragfähigkeit der ins Auge gefassten Lösungen.
Niemand lag falsch. Und genau deshalb drohte die Planung und das Projekt bereits früh zu scheitern.
Wenn mehrere Interessen berechtigt sind
Viele Konflikte in Infrastrukturprojekten entstehen nicht, weil Beteiligte auf ihren ungenügend begründeten Argumenten beharren. Sie entstehen vielmehr, weil mehrere berechtigte Interessen gleichzeitig aufeinanderprallen.
In einer solchen Planungsphase genügt es daher nicht, die einzelnen Stellungnahmen zu sammeln und aufzulisten. Denn je mehr Fachverantwortliche ihre Perspektive einbringen, desto länger wird die Liste der berechtigten Anliegen. Und eine tragfähige Entscheidung rückt in immer weitere Ferne …
Von Argumenten zur Entscheidungslogik
Das Einzige, was hingegen hilft: eine unvoreingenommene Interessenabwägung.
Eine solche muss einer strikten, nachvollziehbaren Ordnung folgen: Welche Interessen sind betroffen? Wie stark sind sie betroffen? Welche Variante schneidet in welcher Hinsicht besser ab? Und: Weshalb erweist sich am Ende eine Lösungsvariante als die bestgeeignete?
Genau hier wird die Variantenprüfung zur eigentlichen Entscheidungsarbeit. Sie zeigt nicht nur Alternativen auf. Sie macht sichtbar, welche Konflikte bestehen, welche Unterschiede entscheidend sind und weshalb eine Variante tragfähiger ist als eine andere.
Somit übernimmt die Variantenprüfung die eigentliche Entscheidungsarbeit. Sie zeigt nicht nur Alternativen auf. Sie fördert auch mögliche Konflikte zu Tage, bevor diese auftreten, ordnet die Entscheidungsgrundlagen und führt zu einer tragfähigen Lösungsvariante.
Fazit
Gute Variantenprüfung heisst nicht, Konflikte zu vermeiden. Sie heisst, Konflikte entscheidbar zu machen.





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