
Variantenprüfungen für Stromnetze
Strom ist wichtig – und er wird immer wichtiger.
Gleichzeitig zeigt sich beim Netzausbau ein bekanntes Muster: Alle brauchen Strom, aber kaum jemand will neue Leitungen in ihrer unmittelbaren Umgebung. Gerade Freileitungen stossen oft auf Widerstand, weil sie sichtbar sind und das Landschaftsbild prägen. Kabelleitungen im Boden lösen demgegenüber meist deutlich weniger Widerstand aus.
Die scheinbar einfache Schlussfolgerung lautet deshalb: Leitungen gehören in den Boden.
So einfach ist es jedoch nicht. Denn gegen die Verkabelung sprechen je nach Vorhaben die Kosten – und im Übertragungsnetz zusätzlich technische Anforderungen. Die zentrale Frage lautet deshalb:
In der Luft oder im Boden?
Die zentrale Frage: Freileitung oder Kabelleitung
Bei Stromleitungen geht es nicht nur um Trassee und Linienführung. Bereits die Wahl der Technologie ist entscheidend.
Freileitungen sind sichtbar und deshalb oft konfliktträchtig. Kabelleitungen verlaufen unterirdisch und werden in der Regel als weniger störend wahrgenommen. Aus Sicht von Landschaft und Akzeptanz spricht deshalb oft viel für die Kabelleitung.
Dem stehen jedoch die höheren Kosten gegenüber. Im Übertragungsnetz kommen zudem technische Randbedingungen hinzu, die bei der Beurteilung zwingend mitzuberücksichtigen sind.
Die richtige Lösung ergibt sich deshalb nicht aus einem Vorentscheid, sondern aus einer strukturierten Variantenprüfung mit gesamtheitlicher Interessenabwägung.
Verteilnetz: klare gesetzliche Leitplanken
Im Verteilnetz ist die Frage nach Freileitung oder Kabelleitung rechtlich vergleichsweise klar geregelt.
Solange der Kostenfaktor zwischen Kabelleitung und Freileitung kleiner als 2 ist, sind die Kosten für eine Kabelleitung anrechenbar. Wenn gleichzeitig keine höheren Schutzinteressen betroffen sind – was bei einer Kabelleitung in der Regel der Fall ist – ist die Leitung als Kabelleitung auszuführen.
Damit stellt sich die Aufgabe im Verteilnetz nicht abstrakt, sondern sehr konkret:
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Welche Kabelleitungsvarianten kommen in Betracht?
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Welche davon ist die beste?
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Und wie verhält sich diese Variante kostenmässig zu einer genehmigungsfähigen Freileitung?
Genau an dieser Stelle braucht es eine saubere Variantenbildung und eine nachvollziehbare Herleitung der bestgeeigneten Lösung.
Übertragungsnetz: Klärung im Sachplan Übertragungsleitungen
Im Übertragungsnetz wird die Frage, ob eine Leitung in der Luft oder im Boden geführt werden soll, im Sachplan Übertragungsleitungen geklärt.
Dazu werden die betroffenen Interessen gesamtheitlich erfasst, gewichtet und gegeneinander abgewogen. Das Ergebnis dieser Prüfung ist nicht nur die Wahl der Technologie – Freileitung oder Kabelleitung –, sondern auch die Linienführung in Form eines Korridors.
Dieser Korridor ist bewusst so breit gefasst, dass in der späteren Planung Raum für lokale Optimierungen bleibt.
Die Festsetzung der Bestvarianten erfolgt durch den Bundesrat.
Mit der Festsetzung von Technologie und Korridor ist die Variantenprüfung jedoch noch nicht abgeschlossen. Innerhalb des festgesetzten Korridors muss anschliessend die beste Linienführung für die konkrete Leitung gesucht werden – auf den Meter genau. Auch dies erfolgt mit einer gesamtheitlichen Interessenabwägung.
Unser Angebot für das Verteilnetz
Wir unterstützen Netzbetreiber dabei, die bestgeeignete Lösung im Verteilnetz strukturiert und nachvollziehbar herzuleiten.
Unsere Leistung umfasst insbesondere:
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Wir erarbeiten verschiedene Varianten von Linienführungen für eine Kabelleitung.
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Mit einer gesamtheitlichen Interessenabwägung ermitteln wir die beste Kabelleitungsvariante.
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Diese vergleichen wir mit einer Freileitung, die möglichst kurz ist, also entlang der Luftlinie verläuft, und keine Schutzziele mit hohem Gewicht tangiert.
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Dieser Vergleich bezieht sich zunächst auf die Kosten.
Ergibt der Vergleich, dass die Kosten für die Kabelleitung kleiner als 2 sind, gilt die Kabelleitung als bestgeeignete Variante.
Liegt der Kostenfaktor höher, ist zu prüfen, ob die berücksichtigte kurze Freileitung überhaupt genehmigungsfähig ist. Ist dies nicht der Fall, muss die beste Freileitungsvariante (und somit die genehmigungsfähige Variante) gesucht werden.
Erst der Kostenvergleich zwischen der besten Freileitung und der besten Kabelleitung führt zum belastbaren Entscheid, welche Technologie gebaut werden soll.
Unser Angebot für das Übertragungsnetz
Im Übertragungsnetz erstellen wir die notwendigen Grundlagen und Unterlagen für den Sachplan Übertragungsleitungen und für die weitere Linienfindung innerhalb des festgesetzten Korridors.
Das bedeutet insbesondere:
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Wir dokumentieren nachvollziehbar, wie die Varianten gebildet wurden.
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Wir zeigen auf, weshalb weitere Varianten nicht näher zu berücksichtigen sind.
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Wir ermitteln die ernsthaft in Betracht fallenden Varianten mit Hilfe einer summarischen Prüfung.
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Wir führen für diese Varianten die Nutzwertanalyse gemäss dem Bewertungsschema des Bundesamts für Energie durch.
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Nach der Festsetzung von Technologie und Korridor ermitteln wir innerhalb des festgelegten Korridors die beste konkrete Linienführung.
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Auch diese Linienfindung erfolgt mit einer gesamtheitlichen Interessenabwägung.
So entsteht eine belastbare Grundlage für die Wahl von Technologie und Korridor – und anschliessend für die Bestimmung der besten konkreten Linienführung.
Warum unsere Methodik den Unterschied macht
Stromnetzprojekte scheitern selten an der grundsätzlichen Notwendigkeit. Entscheidend ist meist, ob die gewählte Lösung nachvollziehbar hergeleitet und genehmigungsfähig dokumentiert ist.
Genau darauf ist unsere Methodik ausgerichtet:
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Variantenraum strukturiert öffnen
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ernsthaft in Betracht fallende Varianten identifizieren
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Interessen gesamtheitlich erfassen und abwägen
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beste Lösung nachvollziehbar dokumentieren
So entsteht nicht nur eine fachlich gute, sondern auch eine verfahrensfeste Grundlage für den weiteren Projektverlauf.
Ihr Nutzen
Mit einer strukturierten Variantenprüfung für Stromnetze gewinnen Sie:
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eine nachvollziehbare Herleitung der bestgeeigneten Lösung
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Klarheit zur Frage Freileitung oder Kabelleitung
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eine methodisch saubere Entscheidungsgrundlage
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höhere Genehmigungssicherheit
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weniger Angriffsflächen im Verfahren
Gerade beim Ausbau der Stromnetze ist nicht entscheidend, möglichst früh eine Vorzugslösung zu behaupten. Entscheidend ist, die beste Lösung so herzuleiten, dass sie im Verfahren trägt.
Stromnetze brauchen mehr als Technik
Der Ausbau der Stromnetze ist notwendig. Doch er gelingt nicht allein mit technischer Planung.
Er gelingt dann, wenn Technologie, Linienführung und betroffene Interessen früh gemeinsam betrachtet und nachvollziehbar beurteilt werden.
Wir unterstützen Sie dabei, für Ihr Vorhaben die bestgeeignete und genehmigungsfähige Lösung herzuleiten.
Planen Sie ein Vorhaben im Verteil- oder Übertragungsnetz?
Wir unterstützen Sie bei Variantenprüfungen, Interessenabwägungen und der nachvollziehbaren Herleitung der bestgeeigneten Lösung.