Trafostationen: Standortgebunden heisst noch nicht bestgeeignet
- Sandro Dinser

- 7. Apr.
- 2 Min. Lesezeit

Der Netzexpress will den Stromnetzausbau beschleunigen. Ein Teil der Vorlage betrifft Trafostationen ausserhalb der Bauzonen. (Botschaft, Änderung Elektrizitätsgesetz)
Neu sollen solche Anlagen als standortgebunden gelten, wenn vier Kriterien erfüllt sind. Ist dies der Fall, entfällt die ansonsten notwendige Standortevaluation zur Begründung eines Standorts ausserhalb der Bauzone.
Diese Vereinfachung ist sinnvoll und wird den Netzausbau beschleunigen.
Zulässig ist nicht automatisch die beste Lösung
Gleichzeitig ist zu beachten: Die Regelung beantwortet in erster Linie die Frage, ob ein Standort zulässig ist. Sie stellt jedoch nicht sicher, dass auch die beste Lösung gewählt wird.
Gerade im sensiblen Landschaftsraum stellt sich deshalb die Frage: Wollen wir den Netzausbau beschleunigen – und dabei in Kauf nehmen, dass nicht die bestmögliche Lösung umgesetzt wird?
Die Grundlagen sind vorhanden – der Mehraufwand ist gering
Ein zentrales Kriterium der neuen Regelung ist, dass am vorgesehenen Standort keine überwiegenden Interessen entgegenstehen.
Um dies beurteilen zu können, müssen die relevanten Interessen ohnehin erhoben und bewertet werden. Diese Grundlagen beschränken sich in der Regel nicht auf einen einzelnen Punkt, sondern liegen auch für die nähere Umgebung vor.
Damit ist der Schritt klein, auch alternative Standorte einzubeziehen und zu prüfen, welche Variante insgesamt am besten abschneidet.
Einsprachen entstehen genau hier
In der Praxis zeigt sich immer wieder: Eine der häufigsten und zugleich einfachsten Einsprachen lautet, dass nicht die beste Variante gewählt wurde.
Fehlt die nachvollziehbare Dokumentation der Variantenprüfung, gilt dies als Mangel des Gesuchs – selbst dann, wenn die Prüfung tatsächlich durchgeführt wurde.
Kann der Gesuchsteller nicht nachvollziehbar darlegen, weshalb gerade dieser Standort die beste Lösung ist, führt dies zu Verzögerungen im Verfahren.
Der vermeintliche Zeitgewinn durch eine vereinfachte Standortbegründung geht damit oft wieder verloren.
Die einfache Lösung
Das wirksamste Mittel gegen solche Einsprachen ist einfach:
Die beste Lösung von Beginn an suchen und begründen.
Gerade bei Trafostationen ist der zusätzliche Aufwand gering. Die relevanten Interessen müssen ohnehin erhoben werden. Eine Variantenprüfung lässt sich darauf aufbauend mit überschaubarem Zusatzaufwand durchführen.
Unsere Empfehlung für den Netzexpress
Der Netzexpress sollte nicht nur den Bau von Trafostationen ausserhalb der Bauzone vereinfachen.
Er sollte auch sicherstellen, dass die bestgeeigneten Standorte gewählt werden.
Denn genau darin liegt ein wesentlicher Hebel zur Beschleunigung:
Wer die beste Lösung frühzeitig aufzeigt, reduziert Einsprachen und beschleunigt die Verfahren.



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